Die Debatte um eine staatliche Absicherung für Kreative wird oft als Kampf für die Kultur getarnt. Doch bei scharfer Analyse offenbaren sich Muster von elitärer Arroganz, mangelnder Marktrelevanz und einer tiefen Entkoppelung von der Lebensrealität der arbeitenden Bevölkerung. Wenn die „Freiheit der Kunst“ zur Befreiung von jeglicher gesellschaftlicher Wertschöpfung wird, gerät das soziale Gefüge ins Wanken.

1. Die Arroganz der „Erniedrigung“

Ein Kernproblem vieler Forderungen ist das psychologische Selbstbild. Viele Solokünstler empfinden die Aufnahme einer regulären Erwerbsarbeit – etwa im Dienstleistungssektor oder im Handwerk – als „erniedrigend“ oder als Verrat an ihrer Berufung.

  • Die sachliche Kritik: Diese Haltung zeugt von einer tiefen Arroganz gegenüber der „Durchschnittsbevölkerung“. Wer glaubt, seine Zeit sei zu wertvoll für einen bürgerlichen Job, stellt seine Existenz über die jener Menschen, die durch ihre tägliche Arbeit (Pflege, Logistik, Reinigung) das System erst am Laufen halten. Ein Grundeinkommen wäre hier nichts anderes als eine Subvention für ein Überlegenheitsgefühl.

2. Das Definitions-Dilemma: Wer ist eigentlich Künstler?

Wenn der Staat ein Grundeinkommen zahlt, muss er definieren, wer anspruchsberechtigt ist.

  • Die Willkür: Wer entscheidet über den Künstlerstatus? Die Qualität? Das Studium? Oder die bloße Behauptung?
  • Die Gefahr: Entweder öffnet man Tür und Tor für jeden, der eine Gitarre halten kann (was das System sprengt), oder man schafft eine staatliche „Kultur-Bürokratie“, die festlegt, was wertvolle Kunst ist und was nicht. Letzteres wäre das Ende der freien Kunst und der Beginn einer staatlich verordneten Einheitskultur.

3. Die Absurdität der Performance

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein durch Steuergelder abgesicherter Singer-Songwriter steht auf der Bühne und singt über die „Schwere des Seins“, die „Einsamkeit in der Großstadt“ oder „systemische Ungerechtigkeit“.

  • Die Zielgruppe: Im Publikum sitzen die Kassiererin nach der Schicht, die Pflegekraft nach dem Nachtdienst und der Handwerker mit Rückenschmerzen.
  • Das Paradoxon: Menschen, die reale, physische und existentielle Lasten tragen, finanzieren durch ihre Abgaben jemanden, der ihnen ihre eigenen Probleme in ästhetisierter Form „vorsingt“, ohne jemals selbst im Sturm gestanden zu haben. Das ist keine Kulturförderung, das ist eine parasitäre Umverteilung von unten nach oben.

4. Das Problem der Lösungsfreiheit

Viele Künstler nehmen sich in ihrer gesellschaftlichen Rolle übermäßig wichtig, weil sie Probleme thematisieren.

  • Die Realität: Die Menschen brauchen keinen Künstler, um zu wissen, dass die Mieten hoch oder die Zeiten unsicher sind – das sehen sie jeden Tag selbst.
  • Das Defizit: Kunst bietet in der Regel keine Lösungen an; sie verweilt in der Schilderung des Zustands. Während ein Ingenieur oder ein Arzt Probleme löst, reproduziert der Künstler sie oft nur für den Applaus. Dafür ein lebenslanges Gehalt zu verlangen, entbehrt jeder ökonomischen Logik.

5. Das Markt-Feedback: Wenn Pessimismus zum Ladenhüter wird

Oft liegt der Grund für sinkende Einkommen nicht am „bösen System“ oder am Algorithmus, sondern am Produkt selbst.

  • Sentimentale Monotonie: Wenn Programme nur noch aus Weltschmerz, Pessimismus und Nabelschau bestehen, entscheidet sich das Publikum irgendwann dagegen. Der Mensch sucht in der Kunst Inspiration, Trost oder Freude – keine endlose Bestätigung der eigenen Depression.
  • Die Eigenverantwortung: Ein Künstler, der keine Tickets verkauft, liefert unter Umständen einfach etwas am Markt vorbei. Ein Grundeinkommen würde diesen notwendigen Korrekturmechanismus ausschalten und eine Kultur des ewigen Selbstmitleids zementieren.

Die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen für Künstler ist oft der Versuch, das Risiko des Scheiterns auf die Allgemeinheit abzuwälzen, während man den Ruhm des Erfolgs für sich allein beansprucht. In einer gerechten Gesellschaft muss Kunst sich beweisen. Sie muss die Menschen so sehr berühren, dass sie bereit sind, freiwillig dafür zu bezahlen. Wer das nicht schafft, muss sich fragen, ob er ein Künstler ist – oder lediglich jemand, der das Privileg sucht, auf Kosten anderer nachzudenken.