Wer ein Instrument selbst baut, erschafft mehr als nur einen Klang – er erschafft eine Beziehung zur Materie. In dieser Anleitung erfahren Sie, wie Sie aus Gastronomie-Abfällen und Baumarkt-Standardware ein robustes, klangstarkes Percussion-Set konstruieren. Ein Projekt für Pragmatiker, die den „Sound der Straße“ in ihr Studio holen wollen.
1. Die Materialliste: Rohstoffe für den Rhythmus
Für ein Standard-Set (3 Blech-Toms, 1 Bass-Kanister) benötigen Sie:
- Klangkörper:
- 3 leere Blech-Großkonserven (z.B. 3 L, 4 L und 10 L aus der Gastronomie).
- 1 Kunststoffkanister (10 L, z.B. von destilliertem Wasser oder Speiseöl – gründlich gereinigt).
- Rahmenbau:
- 3–4 gehobelte Rahmenhölzer (Fichte/Tanne, ca. 34 x 54 mm, je 2.000 mm lang).
- 1 Packung Spanplattenschrauben (ca. 4,5 x 80 mm für den Rahmen).
- Winkelverbinder aus Metall (optional zur Versteifung).
- Dämpfung & Sound-Design:
- Reste einer alten Yogamatte oder Moosgummi.
- Stoffreste oder Schaumstoff (für die Innen-Dämmung).
- Starkes Gewebeklebeband (Panzertape).
- Sticks & Schlägel:
- Rundhölzer (Buchenholz, ca. 12–15 mm Durchmesser).
- Alte Weinkorken.
2. Konstruktion des Holzrahmens
Der Rahmen muss so stabil sein, dass er energetisches Spiel ohne Wackeln übersteht.
- Die Basis (H-Form): Sägen Sie zwei Hölzer auf 80 cm (Füße) und ein Querholz auf 100 cm zu. Verschrauben Sie diese zu einem „H“, das flach auf dem Boden liegt. Dies garantiert Kippstabilität.
- Die Vertikalen: Bringen Sie zwei 110 cm lange Pfosten senkrecht an der Querverstrebung an. Nutzen Sie hier zur Sicherheit Metallwinkel, da die Hebelwirkung beim Trommeln groß ist.
- Die Instrumenten-Bar: Montieren Sie eine horizontale Latte zwischen die Pfosten in der für Sie idealen Spielhöhe (ca. 70–90 cm). Hier werden später die Blechdosen befestigt.

3. Montage der Instrumente
Die Blechdosen: Bohren Sie zwei kleine Löcher in den oberen Rand der Dosen. Führen Sie stabiles Draht- oder Gummiseil hindurch und hängen Sie die Dosen an die Instrumenten-Bar.
- Wichtig: Die Dosen sollten das Holz nicht direkt berühren, um das Schwingungsverhalten (Sustain) nicht abzuwürgen.
Der Bass-Kanister: Der 10 L Kanister kann entweder mit Spanngurten direkt am unteren Teil des Rahmens fixiert oder als „Standalone“-Kickdrum vor dem Rahmen platziert werden.
4. Das akustische Finetuning
Ein rohes Blechgehäuse hat oft klirrende Obertöne. So bändigen Sie den Sound:
- Rand-Dämpfung: Kleben Sie einen 2 cm breiten Streifen Yogamatte entlang des oberen inneren Randes der Blechdose. Dies simuliert den „Dämpfungsring“ eines echten Schlagzeugfells.
- Sweet Spot: Testen Sie mit dem Stick, wo die Dose am besten klingt. Markieren Sie diesen Punkt mit einem kleinen Stück Panzertape. Das Tape dämpft zusätzlich die Vibration und fokussiert den Anschlag.

5. Bau der Weinkorken-Sticks
- Nehmen Sie die Rundhölzer und schleifen Sie die Enden leicht an.
- Bohren Sie mittig ein kleines Loch (ca. 5 mm tief) in die Weinkorken (Durchmesser etwas kleiner als das Rundholz).
- Geben Sie einen Tropfen Holzleim hinein und schlagen Sie den Korken vorsichtig auf das Stabende.
- Pro-Tipp: Für einen noch weicheren Sound umwickeln Sie den Korken zusätzlich mit einem Rest Filz oder altem Sockenstoff und fixieren diesen mit einem Kabelbinder.
Vorteil für den Anwender
Dieses Schlagwerk ist ein lebendiges System. Es erlaubt ständige Modifikationen. Wenn eine Dose „durchgespielt“ ist oder Sie einen neuen Frequenzbereich benötigen, tauschen Sie die Komponente einfach aus. Sie haben hiermit ein Instrument erschaffen, das dem „energetischen Minusgeschäft“ der Konsumgesellschaft trotzt und Ihren Rhythmus auf das Fundament der Realität stellt.

