In einer Zeit, in der Musiksoftware fast jeden Klang perfekt simulieren kann, kehrt das Upcycling von Großkonserven und Kanistern zum physischen Ursprung des Klangs zurück. Der Prozess ist effizient, kostengünstig und liefert Ergebnisse, die in ihrer klanglichen Rauheit jedem synthetischen Sample überlegen sind.

1. Das Material-Arsenal: Die Klangkörper

Die Wahl des Behälters bestimmt die Frequenz und den Charakter des Instruments:

  • 3 L & 4 L Konserven (Blech): Diese fungieren als „Timbale“-Ersatz. Sie liefern helle, metallische Töne mit viel Attack. Ideal für Akzente und schnelle Rhythmus-Muster.
  • 10 L Großkonserven: Durch das größere Volumen erzeugen sie einen tieferen, gong-ähnlichen Klang. Sie bilden das Mittelfeld des Drumsets.
  • 10 L Kunststoffkanister: Sie sind die „Bass-Sektion“. Im Gegensatz zum spröden Blech schwingt Kunststoff weicher. Sie liefern den bauchigen, trockenen Kick, der an eine afrikanische Djembe oder eine Bassdrum erinnert.

2. Der Rahmenbau: Pragmatismus trifft Statik

Für das Gehäuse und die Halterung sind einfache Holzlatten aus dem Baumarkt ideal.

  • Konstruktion: Ein stabiles A-Rahmen-Gestell oder ein einfaches Rechteck-Gitter ermöglicht es, die Behälter in verschiedenen Winkeln aufzuhängen oder zu verschrauben.
  • Entkopplung: Es ist wichtig, die Blechdosen nicht starr auf das Holz zu schrauben, da sonst die Schwingung gedämpft wird. Eine Aufhängung an Gummiseilen oder eine Befestigung mit Federn lässt das Material frei schwingen.
Ctl percussion schlagwerk drums homemade
percussion schlagwerk drums

3. Klang-Design durch Dämpfung (Muffling)

Ein reiner Blecheimer kann unangenehm lange nachhallen („scheppern“). Hier kommt das Sound-Design ins Spiel:

  • Yogamatten-Reste: Streifen aus alten Yogamatten oder Schaumstoff, die auf die Innenseite oder den Rand geklebt werden, nehmen die schrillen Obertöne weg.
  • Innen-Dämmung: Ein loser Stoffrest im Inneren des 10-Liter-Kanisters verwandelt einen hohlen Knall in einen satten, fokussierten Beat.

4. Die Drumsticks: Individuelle Artikulation

Die Wahl des Schlägel-Kopfes entscheidet über den „Sound“ des Schlags:

  • Der Weinkorken-Schlägel: Holzstäbe mit Korken-Enden sind der Geheimtipp. Der Korken ist fest genug für einen klaren Anschlag, aber weich genug, um das Blech nicht einzudellen. Er erzeugt einen warmen, perkussiven Ton.
  • Stoff & Gummi: Umwickelt man die Enden mit Stoff, erhält man weiche „Mallets“ für atmosphärische Wirbel. Gummistücke sorgen für einen harten, industriellen „Clang“.
Ctl percussion schlagwerk drums homemade
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Die Philosophie dahinter: Wertschöpfung ohne Illusion

Dieses Projekt verkörpert die Rückkehr zum Handwerk, die wir im Manifest gefordert haben. Während der „arme Künstler“ am Bahnhof auf das Grundeinkommen wartet, baut sich der Praktiker aus dem Müll der Gastronomie ein Orchester.

  • Geringe Investition: Holzlatten und Schrott kosten fast nichts.
  • Großes Ergebnis: Ein authentisches, physisches Instrument, das nicht nur Krach macht, sondern eine Geschichte erzählt.
Ctl percussion schlagwerk drums homemade
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Es ist die Umkehrung der „Bordell-Logik“: Man kauft sich nicht den schnellen Rausch eines fertigen Produkts, sondern man erarbeitet sich den Klang. Das Ergebnis ist eine tiefere Verbindung zum Instrument und eine Musik, die keine PR braucht, weil ihre physische Präsenz für sich spricht.