Wer sagt, dass guter Hall aus dem Algorithmus kommen muss? In der Welt des experimentellen Sounddesigns ist Schmutz, Charakter und physikalische Resonanz oft mehr wert als sterile Perfektion. Heute bauen wir ein echtes mechanisches Reverb-System aus Baumarkt-Materialien: Den Trapezblech-Plattenhall.

Plate Reverb Diy Effect Selfmade 1
Selfmade, D.I.Y., Plate Reverb, Plattenhall

Dieses Gerät ist kein High-Fidelity-Wunder, sondern eine experimentelle Soundstation. Es liefert metallische, dichte Texturen, die perfekt für Industrial, Ambient oder perkussive Experimente (wie unsere Kondom-Samples) geeignet sind.


Das Material (Einkaufsliste) für den 50 € Plattenhall (Platereverb)

Holz & Metall:

  • Holzlatten: ca. 3–4 Stück (Maße: 2 x 50 x 200 cm)
  • Dach-Trapezblech: 100 x 100 cm (Alu oder verzinkter Stahl)
  • Zubehör: Holzschrauben, Metallwinkel, 4 Zugfedern mit Ösen, 4 Haken mit Holzgewinde, Metallschrauben und Muttern.

Elektronik & Audio:

  • 1 Körperschallwandler (Exciter): 20 bis 30 Watt (als „Sender“)
  • 2 bis 6 Piezo-Tonabnehmer: (als „Empfänger“)
  • Anschlüsse: Mehrere Klinkenbuchsen (Mono), etwas Draht/Litze, Klebeband.

Werkzeug:

  • Akkuschrauber, Bohrer, Lötkolben, Zange.
Plate reverb diy effect selfmade

Die Bauanleitung für den 50 € Plattenhall

Schritt 1: Der Rahmen (Das Skelett)

Zuerst bauen wir aus den Holzlatten einen stabilen Rahmen mit einem Innenmaß von 110 x 110 cm.

  • Verschraube die Latten mit Metallwinkeln.
  • Stabilitätstrick: Schraube an die Unterseite des Rahmens kurze Querhölzer (Füße). So steht der Rahmen sicher und das Holz verwindet sich nicht so leicht.

Schritt 2: Die Aufhängung (Die Entkopplung)

Schraube die 4 Haken mit Holzgewinde innen in die Ecken des Rahmens.

  • Bohre in die vier Ecken des Trapezblechs jeweils ein Loch.
  • Hänge das Blech mittels der Zugfedern in den Rahmen.
  • Wichtig: Das Blech muss frei schwingen und darf das Holz nirgendwo berühren. Die Federn sorgen dafür, dass Trittschall vom Boden minimiert wird und das Blech seine eigene Resonanz entfalten kann.

Schritt 3: Der Antrieb (Input)

Bohre ein Loch in das Trapezblech (Mitte oder leicht versetzt für andere Resonanzmoden).

  • Schraube den Körperschallwandler fest auf das Blech.
  • Dies ist dein „Eingang“. Hier wird das Signal vom Mischpult (Aux Send) eingespeist. Da der Wandler Leistung braucht, empfiehlt sich ein kleiner, günstiger Class-D-Verstärker dazwischen.

Schritt 4: Die Abnehmer (Output)

Jetzt kommen die Piezos ins Spiel.

  • Befestige die Piezo-Elemente mit Klebeband an verschiedenen Stellen auf dem Blech.
  • Experimentiere hier: In den Wellentälern des Trapezblechs klingt es anders als auf den Erhöhungen.
  • Löte die Piezos an die Klinkenbuchsen, die du auf einem kleinen Holzbrett am Rahmen montierst.

Das Konzept: Klangformung durch Dichte

Das Besondere an diesem Aufbau ist die Verwendung mehrerer Piezos. Da das Trapezblech durch seine Form komplexe Reflexionsmuster erzeugt, nimmt jeder Piezo den Hall zeitversetzt und mit anderer Klangfarbe auf.

Der Profi-Trick für den Mix: Führe die Signale der Piezos einzeln zurück in dein Mischpult.

  1. Panning: Lege zwei Piezos hart links/rechts für ein breites Stereobild.
  2. Summierung: Mische mehrere Piezos zusammen, um den Hall zu „verdichten“.
  3. EQ-Ducking: Da Trapezblech zu metallischem „Scheppern“ neigen kann, senke die Mitten am EQ leicht ab, um einen tieferen, dunkleren Raum zu simulieren.

Erwarte keinen Lexicon-Hallenraum. Was du bekommst, ist ein unikatartiger, mechanischer Effekt, der lebt. Er reagiert auf die Dynamik deiner Musik, vibriert physisch im Raum und gibt deinen Produktionen eine organische Textur, die kein Plugin so „einfach“ replizieren kann. Ideal für alle, die das Unperfekte suchen.