1. Die akustische Nullnummer: Phasen-Check & Alignment

Da Mikrofone in einer Kirche oft weit auseinanderstehen (Stützpult vs. Hauptmikrofone), ist das Zeit-Alignment entscheidend.

  • [ ] Referenz setzen: Wähle das Hauptmikrofon-Paar (Raum) als zeitliche Referenz.
  • [ ] Bläser & E-Piano angleichen: Schiebe die Nahmikrofone der Bläser und das E-Piano-Signal (DI) Millisekunde für Millisekunde nach hinten, bis sie perfekt mit dem Raumsignal einrasten (Vermeidung von Kammfilter-Effekten).
  • [ ] Orgel-Latenz beachten: Die Orgel ist meist am weitesten weg. Lass sie als akustischen Anker stehen und rücke den Rest „physisch“ in ihre Nähe.

2. EQ-Cleaning: Platz schaffen für den Nachhall

In der Kirche maskieren tiefe Frequenzen alles. Wir müssen aufräumen, bevor der Hall alles zuschmiert.

  • [ ] Low-Cut bei den Bläsern: Alles unter 100-150 Hz entfernen (außer bei der Tuba/Bassposaune).
  • [ ] E-Piano entmumpfen: Das E-Piano hat keine natürliche Resonanz im Raum. Senke den Bereich um 200-400 Hz leicht ab, damit es nicht mit den Grundtönen der Orgel kollidiert.
  • [ ] Orgel-Präzision: Nutze einen schmalbandigen EQ, um stehende Wellen (Resonanzen) der Kirche in den tiefen Mitten zu finden und abzusenken.

3. Das E-Piano „verkirchlichen“

Das größte Problem: Das E-Piano klingt oft wie ein Fremdkörper.

  • [ ] Re-Amping oder IR-Reverb: Schicke das E-Piano durch einen Faltungshall (Convolution Reverb), der exakt die Impulsantwort einer Kirche nutzt.
  • [ ] Early Reflections: Gib dem E-Piano mehr frühe Reflexionen als den Bläsern. Das simuliert die Platzierung auf dem harten Kirchenboden.

4. Dynamik-Kontrolle (Das „Vocal Riding“-Prinzip)

In der Kirche ist natürliche Dynamik gut, aber zu große Sprünge lassen den Hall „explodieren“.

  • [ ] Sanfte Kompression: Nutze eine niedrige Ratio (1.5:1 oder 2:1) für Holzbläser, um Spitzen abzufangen, bevor sie den Kirchenhall triggern.
  • [ ] Automation statt Kompression: Regle die Lautstärke der Orgel per Hand (Automation), besonders bei Registerwechseln, um den Mix nicht zu erdrücken.

5. Das Reverb-Management (Der Master-Plan)

Du hast den echten Kirchenhall auf den Aufnahmen, aber er braucht oft Unterstützung oder Fokus.

  • [ ] Der Abbey Road Hall-EQ: Lege einen High-Pass (ca. 500 Hz) und einen Low-Pass (ca. 7 kHz) auf den Hall-Bus. Das verhindert, dass der Bassbereich der Orgel den Hall „matschig“ macht.
  • [ ] Pre-Delay Feinabstimmung:
    • Bläser: Ca. 20-40 ms Pre-Delay (sie stehen näher am Publikum).
    • Orgel: 0-10 ms Pre-Delay (sie verschmilzt direkt mit der Wand).
  • [ ] Glue-Reverb: Schicke einen winzigen Anteil (Send -25dB) aller Spuren in einen gemeinsamen, sehr langen Hall-Bus, um die unterschiedlichen Quellen (DI-Box vs. Mikrofon) miteinander zu verschmelzen.

6. Panorama & Tiefenstaffelung

  • [ ] Orgel: Breit lassen, fast das ganze Panorama füllen (wie in der Realität).
  • [ ] Blechbläser: Leicht versetzt (z.B. 30% Rechts), um Druck zu erzeugen.
  • [ ] Holzbläser: Zentraler (z.B. 10% Links), für die Intimität.
  • [ ] E-Piano: Etwas schmaler im Panorama halten, damit es nicht mit der Orgel um die volle Breite konkurriert.

7. Der Final Check (Die „Mono-Probe“)

  • [ ] Mono-Kompatibilität: Schalte den Mix auf Mono. Verschwinden die Bläser oder klingt die Orgel plötzlich hohl? Dann korrigiere das Time-Alignment aus Punkt 1. In großen Räumen sind Phasenauslöschungen dein größter Feind.